Samstag, 9. Februar 2013

Ausbeutung der Weltmeere

Globaler Fischfang 



"Ausbeutung Weltmeere"/Fischfangquoten als Anfang


Mitte dieser Woche hat das Europäische Parlament für eine Anpassung der Fischfangquoten gestimmt, um den Beständen in europäischen Gewässern eine schnellere und bessere Regeneration zu ermöglichen. Dass dieser Schritt längst überfällig war, ist jedem Mittelmeerurlauber, der sich nur ein bisschen für die Meereswelt interessiert, schon seit Jahren klar.

Und dass dieser Schritt nur ein erster Kleiner auf einem langen steinigen Weg ist, ist ebenso sicher.

Mittelmeer völlig überfischt


Das EU-Parlament droht in seinem Entwurf vor allem so genannten "Rückwurf-Sündern". Das sind solche Fischer, die bereits tote aber nutzlose Fische (Beifang) einfach zurück ins Meer werfen.  Wie wichtig das Einschreiten einer Institution in die Fischerei ist, zeigt ein Blick ins Mittelmeer.

Wo sich (Hobby-) Meeresbiologen vor Jahren noch im Mittelmeer an einer fantastischen Unterwasserwelt ergötzen konnten, findet sich heute nur noch eine gähnende Leere.

Betritt man im Mittelmeer-Raum ein Fischgeschäft, wird einem Fisch aus allen Teilen der Welt angeboten - außer aus dem Mittelmeer. Der Grund ist schnell genannt: nicht die Schonung der Fischbestände ist Grund für besagtes Phänomen, sondern schlicht und ergreifend die Tatsache, dass es kaum noch Fischbestände im Mittelmeer gibt. Der ehemals in Hülle und Fülle vor Sizilien vorhandene Blauflossen-Thun ist in diesem Gebiet kaum noch anzutreffen - nur eines von vielen Beispielen.

Darüber hinaus fischen Industrie-Trawler alles ab, was sich im Meer bewegt. Mit feinsten Netzen werden Fische jeder Größe aus dem Wasser gezogen, um möglichst viel Fisch auf einmal fangen zu können. Dass dabei Jungfische mit gefischt werden, die noch nicht gelaicht haben und somit die Bestände dramatisch reduziert werden, ist eine der unsäglichen Folgen der Massen-Fischerei. Dass dabei die toten Jungfische wie oben bereits erwähnt einfach zurück ins Meer geworfen werden, scheint in Anbetracht der beschriebenen Umstände der Gipfel der Geschmacklosigkeit.


Auch andere Meere betroffen


Doch nicht nur das Mittelmeer ist von dieser maßlosen Überfischung betroffen. Persönlich hatte ich vor kurzer Zeit das Glück, diese Umstände im indischen Ozean zu betrachten. Passionierten Tauchern ist der Name des Tauchspots "Fishhead" zweifellos ein Begriff. Der Name dieses Spots geht auf einen ganz besonders pikanten Umstand zurück: Fischer, die in diesem Bereich fischten, konnten lange Zeit von ihrem Fang nur die Köpfe an Bord bringen - das Wasser wimmelte dermaßen von Grauen Riffhaien, Weißspitzen Riffhaien und gelegentlich auch Hammerhaien, dass diese den Fang bereits verschlungen hatten, bevor die Fischer ihn an Bord bringen konnten.

Dieser Umstand der Vergangenheit wurde vor Ort von älteren Einheimischen und Tauchern immer wieder bestätigt. Doch in den letzten Jahren nahm der Bestand dramatisch ab: der kommerzielle Fischfang und die gesteigerte Nachfrage nach Haifischflossen sorgte für eine drastische Reduzierung der Bestände - derart, dass sich mir während eines einstündigen Tauchgangs nur ein einziger Weißspitzen Riffhai zeigte... und auch dies ist nur ein Beispiel von vielen.


Karibik mit Vorzeigemodell


Das es auch anders möglich ist, haben einige karibische Staaten bereits gezeigt. Hier wurde das Modell der Dreifelderwirtschaft erfolgreich auf das Meer übertragen. Anfangs mit starker Gegenwehr der einheimischen Fischer, doch bereits nach kurzer Zeit zeigten sich die Erfolge und selbst die größten Skeptiker wurden überzeugt.

Das System funktioniert einfach: ein Unterwassergebiet wird in 3 Teile aufgeteilt. Im Ersten darf nur gefischt werden, im Zweiten darf nur getaucht werden, das Dritte steht unter striktem Schutz. Jedes Jahr werden die Rollen der drei Teile gewechselt. Mit enormem Erfolg. Die Fischbestände in allen Bereichen haben sich erholt, Einnahmen durch Fischerei sind genauso möglich wie die durch Tourismus - ein wirklich nachhaltiges System der Fischerei und des Meeresschutzes.


EU-Staaten in der Pflicht


Die Schritte des EU-Parlaments sind sicherlich ein Impuls und Schritt in die richtige Richtung. Allerdings auch nur ein erster Schritt. Nicht mehr und nicht weniger. Denn die "Drohung", Fördergelder zu streichen, geht nicht weit genug. Es wurde bereits gezeigt, wie eine nachhaltige Fischerei aussehen könnte, jetzt ist Initiative gefragt - und zwar nicht nur auf europäischer Seite, sondern auch in anderen Teilen der Welt. Die Menschen müssen dringend verstehen, dass das Meer keine unerschöpfliche Quelle ist, dass es aber wohl als Einnahmequelle dienen kann. Der Tourismus ist hier sicherlich einige Möglichkeit.

Unterdessen kann auch der Verbraucher seinen Teil beitragen. Zum Einen kann er sich an Siegel wie bspw das MSC-Siegel oder auch WWF und Naturland-Siegel halten. Diese geben (relativ) zuverlässig an, welchen Fisch man aus o.g. Sichtweise bedenkenlos essen kann. Zum Anderen sollte er endlich damit aufhören, Dosen-Thunfisch aus dem Supermarkt zu kaufen. Denn dieser ist wohl eine der größten Lebensmittel-Sünden die es gibt!


In diesem Sinne, Daniel 

Kommentare:

  1. Ganz ganz wichtiger und guter Beitrag Daniel, top! Es ist ein Verbrechen was wir den Weltmeeren antun und Bestände für alle Zeiten ausrotten! Wie kann man darauf noch mehr aufmerksam machen? Samstägliche Grüße Carlo, ich trag auch noch ein paar Sachen dazu zusammen in den nächsten Stunden und sorry wegen der Formatierung, Blogger spinnt grad ein wenig, ich hoffe bald besser, im absoluten Notfall hab ich (eigtl. eher auch wegen Zensur) dafür extra noch über Deniz den Ausweichblog/Tochterblog "Miss Rogalista" eingerichtet unter http://missrogalista.blogspot.com

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  2. Ich als Autofahrer muss im Winter Winterreifen drauf haben, um andere Verkehrsteilnehmer nicht unnötig in Gefahr zu bringen unter anderem und wenn ich von der Polizei kontrolliert werde und erwischt, dass ich noch Sommerreifen drauf habe, dann wird's teuer und das irngendwo auch nicht ganz unbegründet, weil das vermeidbar und unnötig ist. Hier ist es um ein vielfaches schlimmer! Trawler und Fischer bzw. Großfischerboote, die mit solchen abscheulichen Feinnetzen erwischt werden sollten ebenfalls Bußgelder erwarten die weh tun und Fischerei-Verbote ähnlich von mir aus wie beim Führerschein (vllt. nicht das allerbeste Beispiel). Anstatt mit völlig überschießenden Militär Aufgebot vor Afrikas Küsten zum Schutz vermeintlich bedrohter Touristen auf Kreuzfahrt-Schiffen vor schwerstbewaffneten Piraten-Terroristen in Kutter Schollen, sollte die Militärmacht und Weltpolizei des Federal Government lieber an dieser Stelle mal sinnvolle Konzepte zur schnellstmöglichen Eindämmung solcher Ausuferungen im weltweiten Fischhandel entgegenzuwirken! Und Ausuferungen ist noch untertrieben! Die Meere werden leer gefischt und das ohne Rücksicht auf Verluste und schlechtes Gewissen! Wie dumm das ist das wird sich für diese Leute vermutlich nicht mehr erschließen bzw. wenn es einmal so weit ist, dann wird es nie wieder wie davor, da ist die industrielle Massentierherstellung und -haltung noch 2 Stufen drunter, auch wenn das natürlich nicht als Argument gelten soll!... so viel erstmal was mir persönlich spontan durch die Finger ging

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  3. Hoffentlich läd die Video Vorschau auch hier so wie im Kommentarbereich bei Facebook, falls nicht und falls Ihr noch nicht kennt, Link kopieren in neues Tab oder anklicken, ich werd's gleich sehen was geht und ich hab heute schonmal irgendwo geschrieben in Bezug auf Zeiteffizienz und Vernetzung was ich an Beobachtungen gemacht habe über die letzten Wochen und was evtl. Anstoß gibt, dass durch ein kurzes mal verschnaufen und inne halten oft grandios gute Ideen zu Tage kommen, Vernetzung ist das Stichwort, mehr sobald ich es gefunden hab, da wir ja auch bei Facebook in verschiedenen Gruppen etc. posten, einfach alles ein wenig verstreut, aber ok, man kann nicht immer alles optimieren und diesen Optimierungswahn habe ich ja auch schon mal als größtes Problem, vllt. sogar das Eigentliche Problem unserer Zeit beschrieben, ebenfalls an anderer Stelle... :-) Aber aus ja genau diesem Grund ja auch unser eigener gemeinsamer Blog im Dienste des Freien Wissen, das heißt ganz ohne Zeitstress, werde ich einfach immer dann wenn ich über Sachen stolper sie hier einbinden, also Wissen zusammenführen und die Vernetzung verbessern so als mein mittelfristiger Wunsch und klar sind ärgerlicherweise grad die ganz guten Sachen oft schnell wieder verschwunden, manchmal vllt. sogar ganze Gruppen in Facebook weg, deshalb hier ebenfalls mit meinem Anspruch an mich selbst, rechtlich 0 Angriffsfläche und sogar mehr noch, Teil des Creative Commons Projektes zu werden und Wissen wieder risikolos teilbar zu machen, hier alles 3.0 Attribution, ich weiß es kostet Einlesezeit, aber wir müssen frühzeitig mit an Bord sein, bevor ein Schiff gekentert wird wie die "Wikiseenomore", das Video jetzt aber: https://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=MN8JYhByVYg

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  4. Ok, markieren, Rechtsklick kopieren und in neues Tab oder Fenster oder wie auch immer. Das sollte drin sein, wir dürfen auch nicht zuuu faul werden! Ich bin für mich selbst zwar auf der Suche nach Tools zur Zeitoptimierung und da für Tipps immer dankbar, aber ich bewege mich auch echt mehr als knapp am Limit was das anbetrifft...

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